
Präoperative Planung ist weit mehr als die Auswahl einer Implantatgröße. Sie definiert das operative Ziel, bevor der Eingriff beginnt: Welche individuelle Anatomie liegt vor? Welche Rekonstruktion ist erforderlich? Welche Abweichungen und Alternativen müssen berücksichtigt werden?
Seit nahezu 20 Jahren beschäftige ich mich mit digitalem Prothesen-Templating. Eine Erkenntnis ist dabei unverändert geblieben: Strukturierte Planung reduziert vermeidbare Unsicherheit, bevor sie intraoperativ zur Herausforderung wird.
Anatomie verstehen, bevor sie verändert wird
In der Hüftendoprothetik ermöglicht digitales Templating die präoperative Beurteilung von Beinlänge, femoralem Offset, Rotationszentrum, CCD-Winkel, Femurkopfdurchmesser, Resektionshöhe und voraussichtlicher Komponentenposition.
Diese Parameter sind wesentlich für die möglichst anatomiegerechte Rekonstruktion des Gelenks und können Stabilität, Weichteilspannung und postoperative Funktion beeinflussen.
Der OrthoMetiQ WebPlanner führt diese Informationen in einem strukturierten digitalen Arbeitsablauf zusammen. Nach der Bildkalibrierung können anatomische Referenzen analysiert, herstellerspezifische Implantate positioniert und die Auswirkungen einzelner Planungsentscheidungen unmittelbar beurteilt werden.
Die Hüfte ist ein funktionelles System
Die Stellung des Beckens verändert sich zwischen Stehen und Sitzen. Damit verändert sich auch die funktionelle Orientierung des Acetabulums.
Die Beurteilung von Beckenkippung, Sacral Slope und spinopelviner Beweglichkeit kann deshalb klinisch relevante Informationen für eine patientenspezifische Pfannenplanung liefern.
Der OrthoMetiQ WebPlanner ermöglicht es, funktionelle Aufnahmen getrennt zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Die Pfannenposition wird dadurch nicht ausschließlich statisch, sondern im individuellen funktionellen Kontext des Patienten beurteilt.
Auch am Knie beginnt Präzision mit Vermessung
In der Knieendoprothetik und Korrekturosteotomie gehören mechanische Beinachse, Ursprung der Deformität, Korrekturwinkel, Keilhöhe und tibialer Slope zu den zentralen Planungsparametern.
Digitale Achsenanalyse und Korrekturplanung unterstützen den Operateur dabei, das angestrebte Ergebnis systematisch vorzubereiten und unterschiedliche operative Strategien bereits vor dem Eingriff zu bewerten.
Planung schafft operative Kontrolle
Der klinische Wert des digitalen Templatings liegt nicht im Versprechen einer fehlerfreien Vorhersage. Er liegt in der strukturierten Vorbereitung.
Implantatgrößen und Alternativen können vorab beurteilt, anatomische Besonderheiten erkannt und operative Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden.
Im OrthoMetiQ WebPlanner bleiben Messwerte, Implantate und einzelne Planungsschritte in einem zentralen Planungslog sichtbar. Der abschließende Bericht dokumentiert das geplante operative Konzept klar und reproduzierbar.
Kein Ersatz für Erfahrung – sondern ihre konsequente Anwendung
Digitale Planung ersetzt weder chirurgische Erfahrung noch die endgültige intraoperative Entscheidung. Ihre Aussagekraft bleibt abhängig von Bildqualität, korrekter Kalibrierung, Patientenpositionierung und validierten Implantatdaten.
Sie schafft jedoch eine wesentliche Voraussetzung: Das operative Ziel wird vor dem Eingriff analysiert, präzise definiert und nachvollziehbar dokumentiert.
Eine Planung operiert nicht. Doch sie sorgt dafür, dass während der Operation weniger dem Zufall überlassen bleibt.




